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Lothar Fritsch:
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Feuerberge im Mittelmeer:
Ätna, Vulcano und Stromboli
Bergwandern auf den Vulkanen Siziliens.

Bergwandern auf eine ungewohnte Art: Die Besteigung aktiver Vulkane ist ein besonderes Erlebnis. Auf Sizilien findet man die einzigartige Gelegenheit, Berge, Meer, Vulkane und mediterranes Flair miteinander zu verbinden.

Lothar Fritsch berichtet von seiner Besteigung des Ätna und zeigt die Schönheit der sizilianischen Vulkane.

Von weiten schon erkennt man den Ätna über Sizilien. Mächtig ragt der Stratovulkan über der Insel in den Himmel. Nährt man sich von der Küste, so scheint er aus dem Meer zu erwachsen. Vom Inland aus schwebt er - gleich einem Olymp - über der Insel. Ich flog mit Holger Böhnke kurz nach Ostern 2001 nach Catania, um die Krater des Ätna auf dem Gipfel zu besuchen und den gerade aktiven Lavastrom der zunehmenden Aktivität zu fotografieren.
Es herrschte gutes Wetter, und bereits vom Flugzeug aus konnten wir Stromboli und die anderen der Liparischen Inseln im Wasser sehen, bevor wie die sizilianische Nordküste überflogen. Als hätten wir einen Erkundungsflug bestellt flogen wir auch noch eine Warteschleife um den Ätna-Gipfel. Es hatte an Ostern noch einmal Neuschnee gegeben - ungewöhnlich zu dieser Jahreszeit. Daher konnen wir aus der Luft die schneebedeckte Gipfelregion gut erkennen - und es war auch sofort klar, wo aktuell die heißen Stellen am Boden waren: nämlich dort, wo es keinen Schnee mehr gab.
Wir hatten vor, den Berg zu Fuß zu besteigen und dabei mit Biwak-Technik und Selbstversorgung unabhängig zu sein. Dies hatte gleich mehrere Vorteile - wir waren flexibler bei Routenplanung; außerdem ist man so leicht in der Lage, querfeldein eventuelle Hindernisse zu umgehen. Uns war klar, daß 3000 Höhenmeter Aufstieg auf einen Vulkankegel mit vollem Gepäck kein Spaziergang sein würden, daher hatten wir die Ausrüstung optimiert. Wir verzichteten wegen der günstigen Wettervorhersage auf ein Zelt und entschieden, ohne warme Nahrung auszukommen, um uns Kocher, Brennstoff, Geschirr und die Erzeugung von Kochwasser zu sparen. Der Schnee im Gipfelbereich kam uns sehr entgegen, da er im Sonnenschein schmolz und so als Wasser-Notration dienen konnte.

Wir begannen den Aufstieg im Dorf Linguaglossa auf der Nordseite. Hier führte eine Straße hinauf zur Piano Provenzana, einer Ebene auf 1800 Metern Höhe. Zunächst wanderten wir durch Nadelwald, der sich mit der Höhe zunehmend lichtete. Über uns, riesig und in unabschätzbarer Entfernung, rauchte der Kegel des Südwestkraters. Wir biwakierten nahe der Piano Provenzana im Unterholz, um am nächsten Morgen die nächste Etappe in Angriff zu nehmen - den Aufstieg auf das 2700 Meter hoch gelegene vulkanologische Observatorium, und dann den Gipfelsturm auf den Nordostkrater, auf den 3340 Meter hohen Gipfel.
Bald hatten wir den Wald inter uns gelassen und bewegten uns durch eine Mondlandschaft aus schwarzer Lava. Aschekegel, erkaltete Lavaströme und Asche prägten die Landschaft. Lediglich einige Blumen und stachelige Gebüsche unterbrachen noch die schwarz-graue Wüste. Erkaltete Lavaskulpturen in der Landschaft regten die Fantasie an - waren das Monster, Marsbewohner oder ...? Bei Überschreitung der 2500 Höhenmeter begann der Schnee. Wir ahnten die Kraft des Wetters, das hier oben herrschen kann, an den meterhohen Schneeverwehungen. Die Luft wurde merklich dünner, wir kamen langsamer voran. Links vor uns, auf dem Grat des Pizze de Neri, thronte die Kuppel des Observatoriums - unseres Etappenziels.
Wir erreichte das Observatorium, und vor uns öffnete sich eine unbeschreibliche Mondlandschaft - das Valle del Bove. Ehemals eine große Magmakammer, stürzte deren Decke vor langer Zeit ein und hinterließ dieses riesige Tal, in dem sich durch vulkanische Aktivität kleine Krater wie Pocken gebildet haben und die alten Lavaströme in verschiedenen Farben kreuz und quer durchs Gelände liegen. Drehte man sich um, so konnte man auf der anderen Seite die Aschehänge herabschauen, um rund 700 Meter tiefer die Piano Provenzana liegen zu sehen. Und vor uns, mächtig über der Szene thronend, die Gipfelkrater. Wir waren guter Laune, denn auf der anderen Seite des Valle del Bove konnten wir auf der Flanke des Südwestkraters eine Rauchspur ausmachen, die sich mehrere Kilometer wie ein Faden durch die Landschaft zog - der Lavastrom! Wir hatten also wirklich die Chance, ihn zu sehen - sollte die Aktivität nicht doch plötzlich aufhören!

Jetzt war erst einmal der Ätna-Gipfel dran. Dazu galt es, vom Observatorium aus den Nordost-Kraterkegel zu besteigen. Hier war der damals höchste Punkt des Ätna. Was aussah wie ein netter Hügel waren noch fast 400 Höhenmeter aus Schutt und Geröll, steil bergauf. Die Neuschneefelder, von der Sonne bereits angetaut und kompakt zusammen geschmolzen, erwiesen sich als sehr hilfreich, um den Aufstieg im Geröll zu vermeiden. Auf den letzten Metern wurde der Kegel steil, die Lungen brannten, der Untergrund rutschte ab und ich brach einmal einen Meter tief in den losen Schutt ein. Es begann, überall leicht nach Schwefel zu riechen. Dann der Kraterrand! Nach Innen gewölbt, ein Haufen Schutt mit einem riesigen, runden Loch, aus dem es dampfte und wummerte. Ein unheimlicher Anblick. Nur nicht zu nah an die Kante treten! Wir bestiegen den Gipfel, nahmen eine GPS-Messung, und stiegen Richtung Westen gegen den Wind wieder ab.
Wir richteten knapp unterhalb des Pizze Deneri ein Biwak mit einer Windschutzmauer aus Lavasteinen ein und warteten auf die Nacht, um Fotos des Lavastroms auf der anderen Seite des Tals zu machen. Das Klirren wie von Porzellanscherben schallte zu uns herüber - kullernde Lavabrocken.

In den nächsten Tagen querten wir den Berg zum Refugio Citelli, weiter nach Zafferana, hinüber zur Piano Provenzana. Ein erneuter Anstieg - und Übernachtung am Torre del Filosofo mit herrlicher Aussicht in fast 3000m Höhe auf Catania. Am frühen Morgen brachen wir auf, zum Südostkrater, zum Lavastrom. Ein ungutes Gefühl, in der Auswurfzone dieses aktivsten Kraters unterwegs zu sein, und das auch noch auf losen Brocken scharfkantiger Lava. Selbst mit Wanderstöcken kanem wir nur langsam voran. Aber wir erreichten den Lavastrom. Der Untergrund war warum, Gluthitze strahlte uns von Strom ins Gesicht. DEr Strom klirrte und bröselte glühende Brocken in die Landschaft. Sein Kern war flüssig, auf ihm schwammen erkaltete Brocken.
Wir konnten uns erst losreissen, als das Filmmaterial verbraucht war.
Der Abstieg mit Busfahrt nach Nicolosi ging schnell und problemlos.

Eine Woche später startete die große Ausbruchsserie 2001. Wir saßen zu Hause vor den Fernseher.

Hinweise zur Anreise und zu Kartenmaterial sind im Buch "Vulkane erleben".

Ätna - das Wahrzeichen Siziliens

Äolische Inseln - Lipari, Vulcano, Stromboli

Catania, im Osten von Sizilen, liegt direkt vor den Füßen des 3340 Meter hohen Ätnas. Dieser Anblick präsentiert sich am Flulghafen.

Lipari - größte Insel der Äolen (oder Liparischen Inseln) und gleichzeitig Hauptstadt des Vulkaninsel-Archipels an der Nordküste Siziliens. Auf der Klippe befindet sich die Altstadt-Festung.
Im Hintergrund die Vulkaninsel Vulcano, die neben drei enormen Kratern einen vulkanisch beheizten Strand und ein geothermisch beheiztes Heilschlammbecken zu bieten hat.

Von der Südseite überblickt man eine fruchtbare Flußebene.

Schwefelquellen am Kraterrand des großen Kraters auf Vulcano. Die aufsteigenden Dämpfe enthalten beißende Schwefelgase.

Der Ätna ist das Wahrzeichen Siziliens - sein bis weit in den Frühling schneebedeckter Gipfel ist selbst von der Nordküste Siziliens aus zu sehen.

Die Insel Stromboli - der aktive Vulkan und Namensgeber des Typs der "Strombolianischen Vulkane. Am Ufer das Dörfchen Ginostra, wo die Lieferungen vom Schiff auf Packesel verladen werden.

Die Gipfelregion des Ätna in rund 3000 Metern Höhe - hinter der Leine beginnt die Sperrzone. Dahinter findet der Wanderer grobes Geröll, Asche und einen aktiven Lavastrom!

Stromboli bei Nacht - wenn man den Aufstieg auf den rund 950 Meter hohen Gipfelgrat nicht scheut.

Die Nord-Nord-Ost-Seite des Ätna ist überzogen von jüngeren Kratern und erkalteten Lavaströmen, die bizarre Formen in der Landschaft hinterlassen.

Stromboli bei Tag - nach einem dumpfen Knall und einem Fauchen steigt eine rote Wolke auf und Steinbrocken fliegen in den Himmel.

Eine neue Trendsportart? Lavaboarding zum ca. 700 Höhenmeter tiefer auf 2100 Metern gelegenen Monte Concazze di Frumente - einem Lateralkrater auf der Ostseite des Ätna.

Erholung am Fuße des mächtigen Vulkans: Zafferana Etnea bietet auf 700 Metern Höhe mediteranes Flair. Vor wenigen Jahren hätte fast ein Lavastrom das Städchen erreicht. Hinter der Kirchturmspitze: Die Gipfelkrater.



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